BÜCHERVerramscht wird anderswo: das moderne
Antiquariat Buchlandung. WOLFGANG PATERNO
Steht man inmitten der voll gefüllten Regale von Buchlandung, überfällt einen
wohliges Dauerärgernis. Der teuer erstandene Jonathan Franzen? Um die Hälfte
günstiger. Gerhard Roths jüngster Roman "Der Strom"? Statt 20,50 nur 10,25 Euro.
Man kommt sogar auf den abwegigen Gedanken, sich diesen Tagebuchziegel ins Regal
zu stellen, wo er anschließend bedächtig verstauben kann, so verleitet wird man
in der Buchhandlung Buchlandung zum exzessiven Einkauf – Thomas Mann, zehn Bände
Tagebuch, die Jahre 1918 bis 1955 umfassend, Preis: knapp über fünfzig Euro!
Buchlandung haben Martin Reiter und Lucas Müller, beide 32, ihren bereits vor
zwei Jahren eröffneten Stammsitz in der Landstraßer Hauptstraße 19 getauft;
unter das Portallogo, das ein Buch mit Flügeln zeigt, haben sie den halbtollen
Spruch geschrieben: "Damit Sie was auf der Seite haben". Das ist natürlich
doppeldeutig und bedeutet: Jedes Buch kostet hier die Hälfte, und die
allermeisten Bücher – ausgenommen Romane der Sorte "Suche impotenten Mann fürs
Leben" – sind kein Ramsch, sondern Belletristik und Fachliteratur der Sorte, die
man haben muss.
Seit kurzem heißt es jetzt auch in der Mariahilfer Straße: Schaufeln Sie sich
was auf die Seite, wühlen Sie sich durch Restposten, vergriffene Bücher,
Mängelexemplare, durch ein erstaunliches und immer wieder überraschendes Angebot
von rund 10.000 verschiedenen Büchern – Auf 300 Quadratmetern sind jede Menge
Schätze zu entdecken, bzw. man kommt aus dem Entdecken gar nicht mehr raus.
"Buchlandung" ist kein Lagerplatz für Bücher, die wie Blei in den Regalen
liegen, sondern ein Antiquariat modernen Zuschnitts, das einiges zum Denken
aufgibt: Während man auf Schatzsuche ist, kann man wehmütig an die anderswo
doppelt so teuer erstandenen Exemplare denken.
Buchlandung, 6., Mariahilfer Str. 123, Mo-Fr 9-19.30, Sa 9-18 Uhr, Tel.
595 01 02